
Achtung, das ist ein Artikel über Ehrlichkeit, Konsequenz und Design!
Der Versuch einer Erklärung, warum ich „nichts Ordentliches“ gelernt habe. Und auch nie etwas anderes machen will.
Der ganze Text sollte als „beta“ eingestuft werden und wird kontinuierlich bearbeitet.
Ich freue mich über viele Kommentare und Rückmeldungen.
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Alles, was uns umgibt, ist in irgendeiner Art und Weise gestaltet.
Dabei verbinden wir mit Gestaltung in erster Linie die äußere Form. Das entspricht dem, was die Allgemeinheit unter „Design“ versteht. — Und genau da liegt das Problem.
Denn: Eine Fassade aus Sperrholz ist schnell und leicht gezimmert. Vielen reicht das auch, um eine Cowboy-Landschaft zu erzeugen. Viele geben sich damit zufrieden. Der riesige Markt der Plagiate gibt dieser These wohl recht. Denn schließlich kann man sich ja brüsten mit der goldenen Rolex für nur 5 Euro …
Dass erst die jahrelange Entwicklung eines Manufaktur-Uhrwerks, die Liebe zum Handwerk, zum Material und zur Verarbeitung eine meisterhafte Uhr ausmachen, scheint dabei niemanden zu interessieren. Es reicht die Sperrholzfassade und der aufgepinselte Markenname.
Die äußere Form eines Produktes ist jedoch nicht um ihrer selbst Willen geschaffen. Die Form ist konsequenter Ausdruck der Funktion. Eine Form wird durch Wissen, Handwerk und viel Arbeit geschaffen und dient immer der Funktion. Designer sind Problemlöser. Wir entwickeln Lösungen für die uns gestellten Aufgaben.
Ja, das ist wohl der Bauhaus Gedanke. Und, ja, der ist wohl schon ziemlich alt. Aber er ist heute aktueller denn je. Konsequent umgesetzt bedeutet dieser Gedanke auch Reduktion. Das Weglassen des Überflüssigen. Die Perfektion dessen, was zum Produkt gehört und das Entfernen dessen, was nichts am Produkt zu suchen hat. Weniger ist eben mehr.
Genau dieser Anspruch ist es, der aus einem guten Produkt ein großartiges Produkt macht. Denn um von 99% die 100% zu erreichen, braucht es Wissen, Können und den absoluten Willen. Das bedeutet Schmerz, Arbeit und Herzblut.
Um ein großartiges Produkt zu entwickeln muss man ganz tief eintauchen. Man muss sich die Aufgabenstellung zu eigen machen, sich mit allem beschäftigen, was das Produkt umgibt: Benutzer, Produktionsprozesse, Materialien, Einsatzgebiete, Erwartungen. Und “beschäftigen” alleine reicht nicht. Man muss verstehen. Verinnerlichen.
Produkte, die mit diesem Anspruch entwickelt werden, machen dem Benutzer nichts vor. Sie sind ehrlich. Sie haben eine Funktion. Die Funktion rechtfertigt ihre Existenz. Sie sind keine Luftnummern, keine Sperrholzfassaden. Diese Produkte bereichern unser Leben; in ihrer Funktion und in Ihrem emotionalen Wert.
Produkte, die mit diesem Anspruch entwickelt werden, brauchen keine großen Werbesprüche. Sie überzeugen durch ihre konsequente Funktion und Form. Design eben. Sie bewegen, lösen Emotionen aus. Design eben.
Damit werden die Benutzer automatisch zur besten Werbung, die man sich nur vorstellen kann.
Warum ich das alles schreibe? Ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt. Und besser formuliert haben das auch schon einige. Richtig.
Aber scheinbar haben es immer noch nicht alle da draußen verstanden. Es werden so viele schlechte Produkte auf den Markt geworfen wie nie. Plagiate haben Hochkonjunktur. Produkte ohne Profil und mit mehr Features als auf die Verpackung gedruckt werden können.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen gewissen Trend zum Wandel. Selbstgemachte Produkte gewinnen immer mehr an Akzeptanz. Die Herkunft von Rohstoffen und deren verantwortungsvolle Verarbeitung rücken wieder mehr in den Fokus. Menschen scheinen nach Reduktion, Einfachheit, Authentizität und Ehrlichkeit zu suchen.
Ich glaube, dass wir uns heute mehr denn je an diese Werte erinnern müssen. Um unser selbst Willen. Wir müssen uns endlich wieder Gedanken machen, die weiter vordringen als bis zur Sperrholzfassade. Wir müssen das Bedürfnis haben, zum Kern vorzudringen. Die letzte große Krise ist ja noch immer im Gange. Es war auch die Krise der Oberflächlichkeit. Weil bis dahin vor allem die Fassade zählte.
Dabei macht es doch so unglaublich viel Freude, ein großartiges Produkt zu benutzen und dadurch auch einen Zugang zu den Menschen zu bekommen, die es erdacht und hergestellt haben. Egal, ob Fahrzeuge (oder hier), Uhren, Computer, Mobiltelefone, Möbel oder Magazine. Es gibt unzählige Beispiele. Alle verbindet, meiner Meinung nach, der gleiche Designanspruch.
Abschließend ein paar Worte von Dieter Rams, der es – viel besser als ich es könnte – auf den Punkt gebracht hat:
Gutes Design sollte innovativ sein.
Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
Gutes Design ist ästhetisches Design.
Gutes Design macht ein Produkt verständlich.
Gutes Design ist ehrlich.
Gutes Design ist unaufdringlich.
Gutes Design ist langlebig.
Gute Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
Gutes Design ist umweltfreundlich.
Last but not least, gutes Design ist so wenig Design wie möglich.
2 Kommentare
Prima Artikel, kurz und bündig zusammengefasst was fakt ist. Und verstanden haben das bisher wirklich wenige - wie man übrigens nicht nur am Produkt-Design sondern auch am Corporate Design sieht, vor allem der Aussenkommunikation - sprich: Werbung. Furchtbar.
Vielleicht noch ein Paar Anregungen für Themenfortsetzungen:
- Warum findet man gutes Design mit wenigen Ausnahmen (IKEA) nur noch bei Luxusartikeln? Reicht es in der billig-billig Gesellschaft mit immer kürzeren Produktzyklen nicht mehr zu gutem Design?
- Schafft gutes Design Statussymbole? Wer heute was von sich hält fährt Porsche, trägt Rolex oder Glashuette hat mindestens ein iPhone und ein 15-17″ mbp. - Wie wäre es mit “Design als Statussymbol in der Wegwerfgesellschaft” - macht gutes Design Gebrauchsgegenstände zu Statussymbolen oder bedingen Statussymbole gutem Design?
- oder auch die ganz andere Richtung: “Human Design” oder “CV Design” ; Wie müssen wir selbst uns und unser Leben gestalten um auf dem Markt noch bestehen zu können? Ich denke da lassen sich heute viele Parallelen finden zum Produktdesign.
Richtig.
Noch nie war - meiner jungen Meinung nach - der Zwiespalt zw. ich nenns nun mal Discount-Gesellschaft und Marken-Gesellschaft so groß.
So billig wie möglich, ganz egal wie langs hält und wies taugt. Quantität statt Qualität.
Wenn wir nicht anfangen anders und besser wie die Konkurrenten zu denken, werden wir doch nur Klone, die alle das Selbe tun?!
Einer macht’s vor, die anderen machen’s 1000x nach.
Leider wissen viel zu Wenige die Details im Produktdesign zu schätzen. Schön, dass du das anders siehst :).
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